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Besuch in Watutinki: Als ich mich in den DFB-Trakt schleiche, gerate ich in Schwierigkeiten

Besuch in Watutinki: Als ich mich in den DFB-Trakt schleiche, gerate ich in Schwierigkeiten

Besuch in Watutinki: Als ich mich in den DFB-Trakt schleiche, gerate ich in Schwierigkeiten

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Watutinki ist ein einsamer Ort. Unser Reporter hat im WM-Quartier des DFB-Teams eine Nacht verbracht. Auf der Suche nach dem abgeschotteten Komplex, in dem Löw und sein Team residierten, landet er am nächsten Morgen vor verschlossenen Türen. Er findet einen Weg hinein – doch auf einmal ist Schluss mit der Einsamkeit.

Kann man sich in Russland eigentlich auch über Verbote hinwegsetzen? Man kann, zum Beispiel im Watutinki Hotel. Aber wenn dir ein Uniformierter von hinten auf die Schulter tippt, dann solltest du gehen. Zügig.

Die Nacht im Watutinki Hotel, dem ehemaligen deutschen Team-Quartier war ruhig. Ich bin beim Fernsehen (BBC World News) friedlich eingeschlafen. Die Balkontür halte ich geschlossen, im Park gibt es Teiche, Tümpel – und jede Menge Mücken!

Morgens um neun frühstücke ich im Speisesaal. Ich bin, das wundert mich nicht, wie am Vorabend der einzige Gast. Das Buffet ist naja, der Kaffee ok. Ich muss mich in eine Liste eintragen, in der noch kein Name steht, und dann sehen mir drei Kellnerinnen zu, wie ich Brot mit Marmelade esse. Ich hätte die Frauen gerne etwas gefragt, aber mein russisch ist auch nach vier Wochen noch desolat.

Bolzwiese, Feuerstelle, Tennisplatz

Und dann treffe ich in der Lobby eine Mitarbeiterin, die etwas englisch kann. Ob es der deutschen Mannschaft hier gefallen hat? “Ja”, sagt sie, die Deutschen mochten das Schwimmbad und die Sauna.

Wo genau denn das Team gewohnt hat? “Nicht hier im Hauptgebäude, in einem anderen Gebäude im Park.” Sie erklärt mir, wo das genau ist, sagt aber, dass ich da jetzt nicht hin kann. Da ist geschlossen, da wird gearbeitet. Zutritt verboten!

Ich laufe trotzdem hin, durch den eindrucksvollen Park, vorbei an einer Feuerstelle, die man stundenweise für ein paar Euro mieten kann, um den Teamgeist, das Wir-Gefühl und schlicht die Stimmung zu stärken. Vorbei an einer Bolzwiese mit kleinen Toren.

Hat Joachim Löw hier am Feuer doziert? Oder Kurzpass-Spiel trainieren lassen? Eher nicht. Aber auf dem Tennisplatz, da könnten die deutschen Spieler schon mal gewesen sein.

Und dann stehe ich vor dem Komplex, in dem das deutsche Team tatsächlich gewohnt hat. Alles ist neu, nagelneu. Es riecht nach frischer Farbe, nach Teer. Die Laternen, die Mülleimer, die Bordsteine, keine sechs Monate alt. Überall sind Überwachungskameras, aber kein Mensch weit und breit. Die meisten Eingangstüren sind versiegelt.

Als ich mich in den DFB-Trakt schleiche, gerate ich in Schwierigkeiten

Aber dann ist doch irgendwo eine Tür offen, ich schlüpfe ins Gebäude, knipse mit dem Handy einen Flur, einen Empfangsbereich. Ein Fernseher läuft, Fußball aus der Konserve? Wer guckt denn hier zu? Der Geist von Watutinki?

Plötzlich tippt mir jemand von hinten auf die Schulter. Ich erschrecke, fast fällt mir das Handy aus der Hand. Ein Wachmann, strenge Uniform, noch strengerer Blick. Ich verstehe nicht, was er laut und deutlich sagt, aber ich verstehe seine Handbewegungen: Weg hier, aber schnell! Sonst…

Was ist Watutinki? Dieser Neubau-Komplex abseits des eigentlichen Hotels ist wahrscheinlich ganz komfortabel, wirkt auf mich aber eher wie so eine “Residenz Abendfrieden” für betuchte Senioren, die ihren Lebensabend mit Bäumen, Katzen und Fröschen verbringen wollen, weil die keine blöden Fragen stellen.

Der Watutinki Spa Complex wird offenbar jetzt, wo die Deutschen wieder weg sind, fertig gestellt. Früher als geplant. Eigentlich hatten die Deutschen ja erst am kommenden Montag wieder abreisen wollen.

Aber das mit der tollen Feuerstelle, dem Teamgeist und dem Wir-Gefühl, das hat irgendwie nicht geklappt.

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