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Milliarden-StartupStudienabbrecherin

Die Studienabbrecherin mit dem Milliarden-Startup

Die Studienabbrecherin mit dem Milliarden-Startup

Als Melanie Perkins ihre Geschäftsidee zum ersten Mal im Silicon Valley präsentierte, hatte die Australierin daheim in Perth gerade viel aufgegeben. Um Unternehmerin zu werden, hängte sie die Uni an den Nagel, gerade einmal 22 Jahre alt war sie damals. Ihre Firmenidee, mit der sie Design für alle zugänglich machen wollte, brauchte dringend Geldgeber. Deswegen war Perkins nach Kalifornien geflogen und traf den Investor Bill Tai.

Ihn wollte sie zu einer Beteilung an ihrem Startup Canva überreden, doch zunächst sah es alles andere als rosig aus. Tai setzte während des Meetings ein Pokerface auf und kaute an seinem Mittagessen, während die Jungunternehmerin versuchte, ihm ihre Idee schmackhaft zu machen.

Doch tatsächlich sollte er es sein, der Perkins letztlich den Investoren vorstellte, die ihr Geld in Canva steckten. Und er investierte sogar selbst noch. Doch all das ging bei Weitem nicht so schnell wie gedacht. Die Anfangszeiten von Canva waren steinig, nichts sei so gelaufen, wie sie sich das gewünscht hätte, sagt Perkins gegenüber Gründerszene. „Canva auf die Beine zu stellen, war wie eine Achterbahnfahrt.“ Es sei enorm schwierig gewesen, Investoren davon zu überzeugen, sich in die Vision einzukaufen, das richtige Team zu finden und das Produkt auf den Markt zu bringen.

Pitchdeck mehr als 100 Mal im Jahr überarbeitet

Insgesamt dauerte es drei Jahre, bis die Australier ein Investment aus den USA erhielten. „Wir mussten akzeptieren, dass Ablehnung nur ein Teil der Reise ist, wenn man versucht, Geld einzusammeln“, sagt Perkins. Jedes Mal, wenn sie eine Absage bekamen, konzentrierten sie und ihr Team sich darauf, was sie verändern mussten. „Nach jedem Meeting habe ich unser Pitchdeck überarbeitet – mehr als 100 Mal in einem Jahr“, erzählt die Gründerin.


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Das alles ist nun neun Jahre her und inzwischen gehört Perkins mit 31 zu den jüngsten CEOs, die ein Unicorn leiten, also ein Unternehmen im Wert von mindestens einer Milliarde US-Dollar. Design für alle zugänglich zu machen, diese Startup-Idee hat besser funktioniert, als sie es sich erträumt hatte.

Canva ist ein Online-Tool, mit dem anspruchsvolle grafische Layouts erstellt werden können. Damit sollen auch Nutzer, die nichts von Photoshop verstehen, Designlösungen für sich finden. Aktuell hat das australische Unternehmen nach eigenen Angaben zehn Millionen Nutzer in 179 Ländern, jede Sekunde würden zehn Designs über die Webseite erstellt. Seit Mitte letzten Jahres ist Canva laut Perkins Cashflow-positiv.

Das australische Startup hat Büros in Sydney und seit 2014 auch in Manila, der Hauptstadt der Philippinen. „Als Canva anfing, zählten die Philippinen zu unseren zehn wichtigsten globalen Märkten – daher war es für uns sinnvoll, dort unser zweites Büro zu haben“, sagt Perkins. Die Filipinos würden neue Technologien schnell annehmen und hätten eine sehr starke Designästhetik, findet Perkins.

Erste Firma im Haus der Mutter

Sie ist das Gesicht der Firma Canva, die sie gemeinsam mit zwei Geschäftspartnern gegründet hat, dem früheren Google-Manager Cameron Adams und Cliff Obrecht, der auch privat ihr Partner ist. Die beiden kannten sich schon, als Perkins an der Universität von Westaustralien Kommunikationswissenschaft studierte und anderen Studenten als Tutorin bei Multimedia-Projekten half. „Cliff und ich haben eine Menge Backpacking gemacht und zusammen Sprühtätowierungen bei Festivals angeboten“, sagt sie. „Wir wussten also, dass wir gut zusammenarbeiten.“

Zunächst gründete das Paar die Firma Fusion – im Vorderzimmer des Hauses von Perkins Mutter. Fusion bot Schulen ein einfaches Design für ihre Jahrbücher, ein Prototyp dessen, was später das Canva-System werden sollte. In den folgenden Jahren wuchs Fusion zu Australiens größtem Jahrbuchverlag, bevor es nach Frankreich und Neuseeland expandierte.


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Fusion existiert noch immer, doch inzwischen ist mit Canva etwas noch deutlich Größeres entstanden. Perkins und Obrecht arbeiten nach wie vor eng zusammen. Sie ist CEO, er COO von Canva. In den wesentlichen Themen würden sie meist übereinstimmen, sagt Perkins, doch ab und zu führe die Beziehung in der Firma auch mal zu Problemen. „Es wäre schön, ein schillerndes Bild malen können, dass wir die magische Formel haben und es über nichts Unstimmigkeiten gibt“, sagt Perkins. Aber das sei bei Weitem nicht der Fall.

Noch ist Perkins eine der wenigen Frauen, die einem Unicorn vorstehen, doch die Australierin glaubt, dass sich das bald ändern wird. „Ich hoffe und erwarte, dass in den kommenden Jahren wesentlich mehr Frauen unglaublich erfolgreiche Tech-Unternehmen aufbauen werden“, sagt die 31-Jährige. „Ich denke, wir werden in der Zukunft einen enormen Umbruch sehen.“

Bild: Canva

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